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Der Königsstuhl von Rhens: Grenzobjekt der besonderen Art

Er steht nicht mehr an seinem ursprünglichen Ort in Rheinnähe (wo sich seit dem 16. Jahrhundert auch der Rhenser Mineralbrunnen befindet), und das steinerne Konstrukt ist auch nicht original. Aber dieses besondere „steinerne Gestühl“ mit seinem „neuen“ Standort oberhalb der Mittelrhein-Gemeinde Rhens thront in etwa an jenem Punkt, wo im Spätmittelalter die Territorien von vier Kurfürsten aufeinandertrafen.
Seit Mitte des 12. Jahrhunderts fanden die Wahlen des deutschen Königs in Frankfurt am Main statt, aber schon mit der Wahl Rudolfs von Habsburgs 1273 trafen sich bis Ende des 15. Jahrhunderts die „vier Kurfürsten des Westens“ (die Fürstbischöfe von Mainz, Köln und Trier sowie der Pfalzgraf) zu Absprachen und Vorgesprächen im geographisch günstig gelegenen Rhens: Braubach mit der Marksburg war kurpfälzisch, Niederlahnstein kurtrierisch, Oberlahnstein kurmainzisch, Brey kurkölnisch.
Am Versammlungsort der genannten Kurfürsten wurde dann vermutlich um 1400 ein steinerner „Königsstuhl“ errichtet. Wenn dieser letztlich auch nur wenige Jahrzehnte genutzt wurde, so blieb er doch immerhin rund 400 Jahre erhalten.

Königsstuhl Rhens 1796

Während der „Franzosenzeit“, 1804/05, brach man das monströse Gebilde ab und verkaufte das Steinmaterial.
Dank der Zuwendungen des preußischen Königs konnte eine Rekonstruktion des Königsstuhls in den von der Romantik geprägten 1840er Jahren realisiert werden; allerdings musste dieses ehemalige Grenzobjekt der besonderen Art erneut seinen Standort wechseln, wurde 1929 an seine heutige Stelle auf die Höhe Schawall versetzt.
Rhenser Königsstuhl A      Rhenser Königsstuhl B

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